TURNVATER | 3D-Meister von Miniature Aircraft
20.5.2009 • Kategorie: rc-heli-action testberichte • 3d-heli-action oder rc-heli-action bestellen
Ein Hubschrauber in der 450er-Klasse wurde von Miniature Aircraft/USA schon 2007 angekündigt. Dieser, ursprünglich ein Import aus Asien, wurde mit dem Namen Beam vorgestellt. Kurz vor der Auslieferung entschied man sich, ein neues Modell zu konstruieren. So wurde aus Beam der X-Cell Bandit. Und kurz vor Auslieferung taufte man das Gerät auf den endgültigen Namen X-Cell Furion 450 um – rechtliche Gründe gaben den Anlass. Hierzulande wird der Furion von Inko’s Modellbauland, dem offiziellen Importeur für X-Cell-Hubschrauber, vertrieben.
Das CFK-Chassis ist extrem leicht und verwindungssteif. Deutlich zu erkennen der frontseitig montierte Scorpion-Motor und das einstufige Hauptgetriebe

Der Heckrotor des Furion begeistert durch so gut wie kein Spiel in der Anlenkung. Man beachte hier besonders die kugelgelagerten Verbindungen von Pitchbrücke zu Heckblatthaltern

Hier das mit Antriebs- und RC-Equipment bestückte Chassis des Furion 450. Akku, Motor und Controller sitzen ganz weit vorn, der Empfänger hinten zwischen den Chassisplatten

Der hochwertige Rotorkopf mit Taumelscheibe und Pitchkompensator. Faszinierend ist auch hier die absolute Spielfreiheit. Schön zu erkennen auch die für die Gestänge der vorderen Rollservos ausgenommene Domlagerplatte, wodurch eine gerade Gestängeführung ermöglicht wird

Hier in der Draufsicht erkennt man nicht nur die CFK-Platten der Blatthalter, sondern auch die im Text beschriebene „F3C-Abstimmung“ mit umgedrehtem Lagerbock und außen angelenkten Mischhebeln. Diese Einstellung ist super geeignet fürs 3D-Fliegen

Die neue hochwertige GFK-Kabinenhaube für den Furion wird von Inko Thim vertrieben. Es gibt sie in Weiß mit schwarzem Fenster oder in dem abgebildeten Design. Andere Farbkombinationen gibt es auf Anfrage.

Artgerechte Haltung des Furion 450 – 3D vom Feinsten! Durch hohe Wendigkeit und satte Flugruhe ist der Heli immer gut kontrollierbar. Er fliegt auch gut mit Kufen nach unten – ehrlich!


Die nach Baugruppen sortiert in Tüten verpackten Teile bestehen ausschließlich aus Kohlefaser, Anthrazit-farbig eloxiertem Aluminium und einigen wenigen Spritzgussteilen. Als Bauanleitung ist eine CD beigelegt. Die Anleitung beschreibt sehr detailliert mit Wort (englisch) und Bild, wie jede einzelne Schraube eingedreht wird.
Aufbau und Konstruktion
Das Chassis besteht aus zwei 1,5 Millimeter starken, einteiligen CFK-Seitenplatten, die mit zwei Lagerleisten steif verbunden werden. Die untere Lagerleiste verbindet den Motor und das untere Rotormastlager, die obere dient auch als Halterung für die senkrecht stehenden Taumelscheibenservos, die sehr gut zugänglich sind. Die untere Befestigung der Taumelscheibenservos ist auf verschiedene Servogrößen einstellbar. Eine CFK-Platte, die mit den Seitenteilen verschraubt wird, versteift die Konstruktion im unteren Bereich. Vorne ist eine lange Akku-Halteplatte mittels Aluteilen mit den Seitenplatten verschraubt, auf der sich der Akku fest verbinden lässt. Das ganze Chassis ist schnell verschraubt und macht einen steifen, soliden Eindruck.
Zeig mir Deine Zähne
Das Getriebe ist einstufig ausgeführt. Das Hauptzahnrad sitzt auf einem Alu-Flansch mit dem Freilauf. Die beiliegenden Motorritzel mit elf oder 13 Zähnen ergeben zusammen mit dem 150 Zähne großen Hauptzahnrad eine Untersetzung von 13,63:1 oder 11,53:1. Das Riemenrad des Heckabtriebs ist mit der Rotorwelle fest verbunden, was einen in der Autorotation mitdrehenden Heckrotor ergibt. Die Führung des Riemens erfolgt mit zwei Rollen, die unmittelbar vor Eintritt des Heckrohr angeordnet sind.
Auch beim Hauptrotor ist eine Mischung aus CFK-Platten und Aluminiumteilen verbaut. Es sind zwar ziemlich viel Schrauben zu montieren, dafür entsteht aber eine äußerst stabile Einheit. Die Mischhebel sitzen an den Blatthaltern, wobei der Lagerbock, der zur Lagerung des Mischhebels dient, in zwei Positionen eingebaut werden kann. Je nach Einbaulage ergibt sich entweder eine neutrale Position oder eine Delta-Drei-Rücksteuerung der Rotorblätter. Die Mischhebel selbst erlauben verschiedene Mischverhältnisse zwischen Paddel- und Rotorebene. Zusammen mit der Möglichkeit, verschieden harte Lagerungen der Blattlagerwelle einzubauen, ergeben sich vielfältige Einstellmöglichkeiten des Rotorkopfs, die wir an noch keinem anderen Hubschrauber dieser Klasse gesehen habe. So kann man den Kopf von 3D- bis zu F3C-typischen Werten variieren (Auswirkungen siehe Flugeigenschaften).
Der Anlenkkäfig der Paddel ist ebenso wie bei anderen X-Cell-Rotorköpfen nach unten abgewinkelt, um hohe Anstellwinkel der Paddel zu erlauben. Die Paddel selbst sind folienbespannt und wiegen nur jeweils 6,5 Gramm.
Die Taumelscheibe und der kugelgelagerte Pitchkompensator bestehen aus Alu. Das Lager der Taumelscheibe wird durch einen mit dem äußeren Taumelscheiben-Ring verschraubten CFK-Ring spielfrei gehalten. Der gesamte Steuerzweig von den Servos bis zu den Blatthaltern ist absolut spielfrei – da kann man sich schon mal auf ein präzises Steuerverhalten freuen.
Der Antrieb des Heckrotors, der aus CFK-Platten und Aluteilen besteht, erfolgt über einen Zahnriemen. Die Anlenkung von der Schiebehülse zu den Blatthaltern erfolgt mit zwei Alulaschen, in die zwei Miniaturlager eingesetzt sind. Beim Bau sind diese, wie in der Anleitung beschrieben, sorgfältig mit Schraubensicherungslack zu sichern, ansonsten können sie im Flug rausrutschen. Die Blatthalter sind auch aus Alu und haben integrierte PAGs (Propellermoment-Ausgleich-Gewichte).
Kabinenhaube
Die Kabinenhaube konnte nicht begeistern. Das Joghurtbecher-Ding ist schwer und blöde zu verarbeiten. Beim Bohren der Befestigungslöcher stellt sich ein Grat auf, der nur schwer ohne Ecken wegzukriegen ist. Das gut designte Fenster ist mit der Haube zu verschrauben. Das ist theoretisch recht einfach, aber bei mir stellt es sich zwischen den Schrauben leicht auf. Der Dekorbogen ist nicht ganz einfach falten- und blasenfrei aufzubringen. Was sehr schön gelöst ist, ist die vordere Befestigung der Haube, die mit zwei Laschen fixiert wird.
Aber es gibt etwas Besseres! Inko Thim lässt Hauben aus GFK bauen, die um die Hälfte leichter, sehr sauber verarbeitet sind und qualitativ zu diesem Heli passen. Das Ganze noch aus deutscher Fertigung! Das erste Exemplar durfte ich schon in den Händen halten, das schaut wirklich gut aus! Warum nicht gleich so? Die Haube ist in zwei Varianten lieferbar: Weiß mit schwarzem Fenster für 29,90 Euro oder neon-orange, weiß mit schwarzem Fenster für 49,90 Euro.
Antrieb
Da der Furion zum 3D-Fliegen eingesetzt werden soll, wollte ich einen entsprechenden Antrieb einbauen. Einen Strecker-Motor verwende ich schon erfolgreich im T-Rex 450 SE, da sollte es diesmal etwas anderes sein – ein Scorpion HK-II 2221-6. Der 6-Turn-Motor dreht mit 4.400 Umdrehuungen pro Minute pro Volt recht hoch, so dass das 11er Ritzel montiert wurde. Als Controller wird der ALIGN ESC RCE-BL35X verwendet. Der ist preisgünstig, funktioniert im Stellermodus einwandfrei und hat ein 6-Volt-BEC. Ich verwende verschiedene Akkus; meine Favoriten sind aber die SLS 3s 2.200/30C. Die haben mit Abstand die beste Spannungslage – und das bis zum Schluss.
Elektronische Ausrüstung
An der Taumelscheibe arbeiten die neuen HiTec-Digitalservos HS 5065 MG. Das Heck, von einem Futaba-Servo S9257 in Verbindung mit dem Gyro-System GY 401 gesteuert, hält sogar die Drehraten im Pyroloop konstant. Der Gyro wird auf der Unterseite der Heckrohrhalterung verbaut. Das Heck-Servo ist sowohl am Chassis als auch am Heckrohr montiert; das bringt Stabilität und man kann den Heckriemen spannen, ohne dass sich die Servoposition verändert. Der Futaba-Empfänger R617 sitzt gut geschützt im hinteren Bereich zwischen den Chassisplatten.
Es geht los
Die ersten Flüge des 860 Gramm leichten Hubschraubers wurden mit etwa 3.000 Hauptrotortouren durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass er enorm agil um alle Achsen ist und auch extrem gut auf Kollektiv-Eingaben reagiert. Der Heli liegt mit der Abstimmung aus der Anleitung schön in der Luft, aber die Rotorkopf-Abstimmung wurde noch etwas verfeinert. Hierzu wurden die Lagerblöcke der Mischhebel umgedreht, so dass sich eine Delta-Drei-Rücksteuerung ergibt. Gleichzeitig wurden die Mischhebel weiter außen angelenkt, woraus sich ein höherer Einsteuerungsanteil der Paddelstange ergibt und damit die Stabilisierung erhöht. Man muss dann aber die Servowege etwas erhöhen. Durch diese Maßnahmen habe ich eine noch höhere Stabilität erreicht, so dass der Furion nun richtig satt in der Luft liegt. Dennoch hat er eine sehr hohe Wendigkeit, so dass man mit ihm auch ohne weiteres in der Halle fliegen kann.
In meinem Freundeskreis sind vier Furion im 3D-Einsatz. Zwei fliegen mit der serienmäßigen Abstimmung, zwei mit der eben beschriebenen. Da kann man schon sehen, dass da viel persönlicher Geschmack Einfluss nimmt und man mit beiden Varianten zum Ziel kommen kann. Was mich absolut überrascht ist die Performance und Präzision des Hecks. So etwas Gutes habe ich noch bei keinem 450er Hubschrauber erlebt.
Der Furion macht alle 3D-Einlagen klaglos mit, er kann definitiv mehr als ich! Und so soll es ja sein, wenn man seine Flugkünste verbessern will. Was am meisten Spaß macht, ist den Heli in einem kurzen Tail-Stand verharren zu lassen und ihn dann mit voll Negativ-Pitch zu beschleunigen. Anschließend schießt er davon wie von einem Baseball-Schläger getroffen. Das ist zwar keine anspruchsvolle Figur, macht aber nur Laune! Bei Funnels, Snakes und anderen weiträumigen Figuren liegt er stabil und ist sehr gut zu kontrollieren. Loopings kann man riesengroß und präzise fliegen. Aber auch das Bodenturnen geht durch die hohe Wendigkeit und die gute Kontrollierbarkeit sehr gut. Ich fühle mich absolut sicher mit dem Modell. Im Piroflip lässt er sich leicht stabilisieren und man kann gut die Drehgeschwindigkeit variieren. Tic Tocs funktionieren, egal ob eng oder weit geflogen. Für 3D und weiträumigen Kunstflug also absolut geeignet!
Crashtest
Als verantwortungsbewusster Tester habe ich natürlich auch diesen Punkt abgedeckt. Beim Hallenfliegen ist mal wieder die Decke zu nahe gekommen, weil ich mal wieder nicht rechtzeitig reagiert habe. Dadurch hat sich dann bei mir und auch bei meinen Freunden der eine oder andere Crashtest ergeben. Der Furion hat diese Übung gut überstanden. Das Chassis hatten wir auch mit größtem Aufwand – Robert, danke für den Test – nie knacken können, nur die üblichen Verdächtigen wie Wellen, Heckrohr und Paddelstange waren meistens betroffen. Inko Thim hat uns immer gut und schnell mit den notwendigen Ersatzteilen versorgen können. Die Ersatzteilkosten sind vielleicht nicht ganz so niedrig wie bei den asiatischen Kollegen, sind aber immer noch recht günstig. Beim Crashtest kam übrigens dann doch ein Vorteil der Haube zur Geltung – sie ist fast unzerstörbar!
Der Furion ist ein technisch hochwertiger Hubschrauber, der sehr gut vorgefertigt ist, schön zu bauen und noch besser zu Fliegen ist. Würde ich ihn mir wiederkaufen? Definitiv: Ja!





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