Gelbsucht – Raptor 50 2.4GHz RTF Super Combo

16.3.2010 • Kategorie: 3d-heli-action testberichte3d-heli-action oder rc-heli-action bestellen
Drei Sekunden – so lange dauerte der erste Anlass-Vorgang des 53er-Redline-Motors. Dann erwachte das Nitro-Aggregat zum Leben und schon brummt er sonor in seinen groß dimensionierten Schalldämpfer. Bis dato wurde weder an einer Vergaser-Schraube gedreht, noch eine Gaskurve programmiert. Ein beherzter Griff an den Blatthalter hebt den Raptor 50 zum ersten Mal zur Startstelle.
<der heli>

Hauptrotor-Durchmesser: 1.345 mm
Heckrotor-Durchmesser: 237 mm
Länge: 1.220 mm
Höhe: 400 mm
Gewicht: ab 3.000 g
Preis: 1.099,– Euro
Internet: www.thundertiger-europe.com


<blockquote>„Dass ein Raptor 50 klasse fliegt, ist hinreichend bekannt.“
</blockquote>


Vom Auslieferungszustand ausgehend ist nicht mehr viel zu tun. Lediglich der Heckausleger muss noch dran

Das perfekt passende Getriebespiel steht beispielhaft für die sehr gute Bauausführung

<zutaten>

Motor: Redline RL 53-H
Fernsteuerung: Sky Tech TS6i
Taumelscheibenservos: Ace RC S1807 MG
Heckservo: Ace RC DS0606
Kreisel: Ace RC TG 7000
Rotorblätter: 600-Millimeter CFK

Die Push-Pull-Anlenkungen sorgen für Entlastung der Servos und minimieren das Spiel in der Mechanik

Der Raptor 50 2.4GHz RTF kommt komplett aufgebaut, eingestellt und programmiert bei demjenigen an, der einen ersten Schritt in die 3D-Welt wagen möchte oder einfach einen unkomplizierten und bewährten Übungsheli sucht. Denn ohne sich zuerst viel mit Schrauben oder Einstellungen abgeben zu müssen, können Heli-Rocker mit diesem Gerät sofort loslegen. Einzig eine Grundausstattung aus Glükerzenstecker inklusive Akku, Elektrostarter und Sprit ist nötig.

Doch Thunder Tiger hat nicht einfach dem Raptor 50 eine Fernsteuerung verpasst, sondern diesem im Zuge der Produktpflege auch gleich einige sinnvolle Verbesserungen zugestanden. So sind beim 50er nun Nick und Pitch auch mit Push-Pull-Anlenkungen versehen. Als Herz des Systems schlägt der neue Redline RL-53H mit satten 8,76 Kubikzentimeter Hubraum und bis zu 20.000 Umdrehungen in der Minute. Das verspricht schon mal Leistung pur, zumal der großvolumige Schalldämpfer auch empfindliche Ohren verwöhnen dürfte. Eine noch stärkere Kupplung sorgt für ­sicheren, erhöhten Leerlauf und eine stabile Kraftübertragung zum Hauptrotor.

Am Kopf dominiert Aluminium. Hier wurde ganz tief in die Tuningkiste gegriffen und alles eingesetzt, was im Zubehör-Regal verfügbar war. Das mächtige Zentralstück mit den zwei großen Kugellagern sorgt für eine reibungsfreie Bewegung des Schlaggelenks. Doch viel tut sich hier nicht, denn die Kopfdämpfung ist schön hart: Nachwippen verboten! Noch sinnig erscheint die Taumelscheibe aus dem leichten Metall. Weshalb der Stabi-Rahmen und die Bell-Hiller-Mischhebel in Alu sind, hat wohl optische Gründe, wenn auch sehr edle. Ein Schmuckstück ist die neue GFK-Haube – gelb und gut. Mitgedacht haben die Entwickler auch beim Heck. Dieses ist nun etwas länger, um für 620 Millimeter lange Rotorblätter Platz zu schaffen.

Um aus dem Komplett-Set eine Super-Combo zu machen, sind nicht nur alle S1807-MG-Servos verbaut, das Kreiselsystem TG7000 samt pfeilschnellem DS0606 installiert und ein vierzelliger NiMH-Akku montiert, es liegt natürlich auch eine programmierbare 2,4-Gigahertz-Funke bei. Die Sky Tech TS6i besitzt sechs Kanäle, acht Modellspeicher und verfügt darüber hinaus über umfangreiche Programmiermöglichkeiten. So lassen sich zwei Flugphasen plus einer Autorotationsphase schalten, in denen man je eine Fünfpunkt-Gas- sowie Pitchkurve zurechtbiegen kann. Aus der Praxis heraus kommt wohl der Knopf rechts oben am Gehäuse des Senders. Dieser nennt sich Engine Cut, ein Motor-Notaus-Schalter also.

Da der Empfänger jedoch nur sechs Steckplätze besitzt, die die Servos und der Kreisel jedoch komplett belegen, ist die Stromversorgung über ein V-Kabel am Pitch-Servo verbunden. Die dadurch nötigen Steckverbindungen sind alle mit Isolierband gesichert – auch hier zeigt sich, dass Modellbauer mit Praxis-Erfahrung am Werke waren.

Tatsächlich ist der Begriff RTF, also Ready to Fly, nicht ganz so wörtlich zu nehmen, denn das Heck muss noch angebaut werden. Gerade beim Einhängen des Zahnriemens kann man bei der 90-Grad-Drehung mal schnell rechts- mit linksherum verwechseln. Der Heckrotor würde sich falsch herum drehen. Beginner, nichtsahnend, wo der Fehler wohl liege, würden dann auch die Heckblätter falsch herum montieren, womit der erste Fehler mit einem zweiten auch schon fast wieder ausgeglichen wird – aber eben nur fast. Zur Erklärung: Das in Flugrichtung vorn liegende Heckrotorblatt muss immer nach oben laufen, also entgegen dem Abwind des Hauptrotors.

Zurück zum Flugplatz. Nachdem also bis auf das Anbauen des Heckauslegers nichts weiter erledigt werden musste, steht Fliegen auf dem Plan. Oh halt, eines musste doch noch sein: Die wunderbar gelb lackierte Haube aus GFK ist aerodynamisch gestaltet und bietet keinen Zugang von vorn an die Glühkerze. Zum Starten müssten also die vier Schrauben der Haubenbefestigung herausgeschraubt, die Haube selbst abgenommen und, nachdem der Motor läuft, wieder alles montiert werden. Ziemlich aufwändig für jeden Start. So wurden also ganz einfach an einen Glühkerzen-Adapter ein Kabel und zwei Krokodil-Klemmen gelötet, die das Vorglühen der Kerze von außen aus ermöglicht. Zudem verlangte der Rappi noch fast 150 Gramm Blei unter dem Empfängerakku, um den Schwerpunkt richtig einzustellen. Hier hätten die Entwickler gerne auch noch etwas mehr Vorarbeit leisten dürfen.

Der Motor tuckert ruhig vor sich hin und der Raptor 50 wartet auf den Start – kann er haben. Beim vorsichtigen Gasgeben zeigte ein Stottern des Motors, dass die Werkseinstellung des Vergasers gut auf der fetten Seite liegt. Nach zwei Achtel-Umdrehungen ist das Gemisch soweit zündfähig, dass das Nitro-Aggregat zügig hochdreht und den Hauptrotor beschleunigt. Der Rest ist Routine. Abheben, Schweben und sich wundern, dass das schon alles gewesen ist. Keine Trimmkorrekturen waren nötig und der Blattspurlauf stimmte auf Anhieb. Beim leichten Zupfen am Pitchhebel konnte das Heck aus der Ruhe gebracht werden, was durch Absenken der Gyro-Empfindlichkeit auf 50 Prozent abgestellt wurde. Der Kreisel konnte im Übrigen richtig gefallen und überzeugt durch knackige Stopps, festen Halt des Hecks und eine relativ konstante Pirouetten-Geschwindigkeit.

Die vorprogrammierte Gaskurve entpuppte sich als gerade Strecke und erforderte noch leichte Anpassung. Die Mitte blieb bei 50 Prozent, Punkt 2 wanderte auf den Wert 40 und Punkt 4 rutschte auf 57 ab. Damit konnte eine relativ konstante Drehzahl erreicht werden. Da wir gerade schon im Gaskurven-Menü der Sky Tech TS6i waren, konnte ein Blick auf die Kunstflugphase Idle Up1 nicht schaden. Ah, die gleiche Standard-Gerade wie im Normalflug-Modus – die sogleich auf ein breites „U“ bei einem Mittelwert bei Punkt 3 von 60 ausgerichtet wurde. Damit stand dann auch schon der Rückenflug an.
Nach dem erneuten Starten wurde in Sicherheitshöhe sogleich die Kunstflug-Phase ausprobiert. Die Drehzahl nahm sprunghaft etwas zu, blieb jedoch sonst über den Pitchverlauf recht konstant – die optimale Gaskurve wurde also schon fast getroffen. Nun aber genug gelabert, jetzt geht’s los! Dass ein Raptor 50 klasse fliegt, ist hinreichend bekannt. Doch erstaunen die Flugeigenschaften immer wieder aufs Neue. Schnelle Überflüge, knackiges und direktes Ansprechverhalten auf alle Steuerbefehle sowie gute zyklische Agilität machen den Rappi zu dem 3D-Trainer schlechthin.

Voll Roll und der Raptor liegt auf dem Rücken. Der Motor tourt nicht auf oder überfettet – alles so, wie es sein soll. Lediglich das Negativ-Pitch könnte ein oder zwei Grad mehr sein. Das wurde mit dem Eindrehen der Gestänge an den Blatt­haltern abgestellt. Nun sind die Pitch-Endstellungen identisch. Innerhalb der ersten fünf Minuten stellt sich ein vertrautes Gefühl ein. Selbst der Motor, kaum eingelaufen, überzeugte mit Durchzug, Leistung und Zuverlässigkeit. Und Leistung ist reichlich vorhanden. Der mechanisch mögliche Pitchweg wurde voll ausgereizt, doch der Redline zieht immer noch ohne Drehzahleinbruch durch.

Rollen kommen direkt, Loopings können sehr groß geflogen werden und der Schwung in den Turn möchte kaum enden. Der Heli wirkt insgesamt sehr leichtfüßig, hier macht sich das geringe Gewicht des Raptor 50 positiv bemerkbar. Die mitgelieferten CFK-Rotorblätter tragen bestimmt ihren Teil dazu bei. Die zyklische Wendigkeit reicht selbst für komplexe Figuren wie den Piro-Flip, Funnel, Rainbow mit jeweils halben Rollen und so weiter vollkommen aus.

Einzig der Tic-Toc möchte etwas weiträumiger geflogen werden. Hier stellt wohl das eingesetzte Pitchservo S1807 MG nicht schnell genug, um die kurzen aber zackigen Stöße exakt wiederzugeben. Doch da findet sich bestimmt noch ein passendes Servo in der Restekiste. Was jedoch durchaus positiv auffiel war, dass das Nachwippen auf Nick bei harten Steuereingaben komplett ausblieb. So etwas nennt man Produktpflege – da ist es im Grunde schon fast egel, ob die Aluminium-Teile am Kopf oder die Push-Pull-Anlenkungen der Servos den Erfolg brachten. Apropos harte Steuereingaben: Den extrem belastenden und zackig geflogenen American-Flugstil steckt der Raptor natürlich ohne mit der Wimper zu zucken weg.

Nach sieben Minuten Spaß war der Haupttank geleert – ganz schön durstig, der Redline RL 53-H. Gut, dass der Hoppertank an der rechten Chassis-Seite als Reserve fungiert. Klar, bei den ersten Flügen ist die Vergasereinstellung natürlich noch recht fett, doch die Grundtendenz zum Schluckspecht bleibt wohl. Das allerdings macht die Leistung und die Zuverlässigkeit mehr als wett. Flugzeiten hin oder her, da hilft nur eines: nachtanken und weiterbolzen.

Der Raptor 50 in der 2.4GHz RTF Super Combo von Thunder Tiger richtet sich nicht nur an 3D-Puristen, sondern auch an Einsteiger, die sonst mit Heli-Fliegen bisher noch nichts am Hut hatten. Denn eines ist klar: Beim Heli ist größer immer besser, somit haben es Beginner mit einem Gerät, das genau so fliegt, wie der Pilot steuert, immer leichter. Schön, wenn der ­Chopper dann auch noch voll 3D-tauglich ist und deshalb vom Piloten so gut wie nie ausgereizt werden kann. «


weitere 3d-bilder

kommentar  hinzufügen